Redaktioneller Inhalt darf nicht kostenlos sein!

Es stand in der WirtschaftsWoche*: „Die traditionellen Medien haben hier nur eine Möglichkeit: Sie müssen sich ihre Inhalte vom Verbraucher bezahlen lassen, sonst wird es tödlich für sie enden“, ist sich Sir Martin Sorell sicher. Der Werbeguru und Vorstandvorsitzende des größten Werbekonzerns der Welt, WPP, predigt die Trennung von Redaktion und Anzeigenvertrieb und sieht einen klaren Trend: „Man wird für Inhalte, ob TV oder Druckerzeugnisse, bezahlen müssen.“

Damit spricht uns das Werbeurgestein aus dem Herzen. Bereits im Herbst 2008 forderten wir in einem Beitrag in diesem Blog, den Fachjournalisten einen hervorragenden Service mit professionell verfasstem Content und attraktiven Fotos zu bieten (https://blog.ofischer.com/einfach-mal-ne-pr-schalten-serioses-vorgehen-in-der-offentlichkeitsarbeit-3.html).

Natürlich muss dieser weiterhin gratis sein und wird von der Fachpresse auf freiwilliger Basis mit prominent platzierten umfangreichen Veröffentlichungen belohnt. Aber der Vertrieb muss draußen bleiben! Die Anzeigenvergabe wird in der Mediaplanung entschieden, und diese darf mit der Redaktion nichts zu tun haben, ebensowenig wie die Anzeigenverkäufer der Verlage Einfluss auf die Redaktion nehmen dürfen!

Aber woher soll die Einnahmen denn nun kommen? So eine saubere Trennung funktioniert natürlich nur, wenn einerseits die Fachverlage ihre Redaktionen angemessen ausstatten, andererseits diese so hochwertige Inhalte in attraktiven Verpackungen produzieren, dass der B2B-Adressat bereit ist, dafür Geld auszugeben. Das immense Aufkommen an Frei-Abos und Freieinweisungen würde dann der Vergangenheit angehören.

Eigentlich ist die Formel für eine langfristige positive Entwicklung (nicht nur) der Fachpresse ganz einfach: Der Leser zahlt für hochwertige Inhalte, die ihn interessieren, das macht die Fachzeitschrift oder den Online-Fachauftritt für Mediaentscheider, die ihre Firmenwerbung optimal platzieren wollen, interessant, somit kann der Anzeigenvertrieb relativ einfach Werbeflächen vermarkten und die Redaktion bleibt autark.

*Nr. 1/2 vom 11.1.2010